Stell dir vor, ein Tumor wäre kein „Stein“, den man herausschneiden muss – sondern ein Stück Gewebe, das man von außen so präzise zerlegt, dass es sich wie Sand im Wasser auflöst.
Genau dieses Bild steckt hinter einem Begriff, der gerade viral geht: Histotripsy.
In Social Media klingt es oft wie ein Wunder: „99% Erfolg bei terminalen Fällen, feste Tumoren in 4 Stunden zerstört, Krebs kommt nie zurück.“
Das Problem: Diese Aussagen sind in der Form nicht belegt – und vermischen echte Technik mit Marketing-Märchen.
Lass uns das sauber einordnen.

Was Histotripsy wirklich ist (ohne Zauberworte)
Histotripsy ist eine spezielle Form von fokussiertem Ultraschall, aber nicht wie „Wärme“ (HIFU), sondern mechanisch:
- Ultraschall wird so gebündelt, dass im Zielgewebe Mikro-Bläschen entstehen (akustische Kavitation).
- Diese Bläschen kollabieren sofort wieder – und genau diese „Mini-Implosionen“ zerreißen Zellen im Fokusbereich.
- Das behandelte Gewebe wird dabei fragmentiert/„verflüssigt“ und kann danach vom Körper abgebaut werden.
Das ist technisch faszinierend – wie ein Presslufthammer aus Schall, der nur an einem Punkt arbeitet.
Wo die Methode heute steht (ganz konkret)
1) Zulassung / Einsatzgebiet
In den USA hat das Edison Histotripsy System (HistoSonics) seit Oktober 2023 eine FDA-De-Novo-Zulassung für die mechanische Zerstörung von Lebertumoren (inkl. nicht resektabler Lebertumoren). Wichtig: Die FDA betont ausdrücklich, dass damit keine Aussagen zu langfristigen Krebs-Endpunkten (z. B. Überleben, Rückfallraten über Jahre) bewertet wurden.
2) Ergebnisse in Studien/klinischer Praxis (Leber)
- In einer frühen „First-in-man“-Studie (THERESA) wurde die geplante Zerstörungszone bei allen Behandlungen erreicht; in dieser kleinen Gruppe traten keine gerätebezogenen Nebenwirkungen auf (Follow-up 2 Monate).
- In den #HOPE4LIVER-Daten lag die technische Erfolgsrate (Zielzone wie geplant) bei 95%; schwerere Komplikationen innerhalb 30 Tagen bei 7%.
- Ein „1-Jahres-Update“ berichtet je nach Auswertungsmethode unterschiedliche lokale Kontrollraten (z. B. 63% vs. 90% post hoc) – was zeigt: Das Thema ist vielschichtig, und Zahlen hängen stark davon ab, wie gemessen wird.
- In einer Multicenter-Auswertung nach FDA-Clearance wurden an Tag 30 95% der behandelten Leberläsionen als „nicht vital“ bewertet; an Tag 90 lagen primäre/sekundäre Erfolgsraten um 94–96%. Das klingt stark – betrifft aber vor allem lokale Tumorkontrolle im behandelten Areal, nicht „Krebs ist weg“.

Die Immun-Story: „Der Körper räumt dann alles auf“
Hier ist der Kern: Histotripsy könnte mehr sein als nur lokales Zerstören – weil mechanische Zerlegung Tumorantigene freisetzt und Immunreaktionen triggert.
Aber: Die überzeugendsten Daten dazu stammen vor allem aus Tiermodellen. In Mausmodellen wurden „abscopale“ Effekte (Einfluss auf unbehandelte Tumorstellen) und eine Verstärkung von Immuntherapien beschrieben.
Das ist spannend – jedoch noch kein Beweis, dass beim Menschen „der Körper danach den Rest überall im System aufräumt“ oder dass „es nie zurückkommt“.
Ampel-Einordnung (damit du sofort weißt, wo du stehst)
🟢 Grün – Das ist solide / real
- Histotripsy ist real, physikalisch plausibel und klinisch im Einsatz (v. a. Leber).
- Nicht-invasiv, keine Schnitte, kein thermisches Verbrennen – und in Studien zeigt sich oft ein günstiges Sicherheitsprofil.
- Gute Daten für lokale Tumorkontrolle im behandelten Bereich – besonders kurzfristig (30/90 Tage).
🟡 Gelb – Vielversprechend, aber noch nicht „abgeschlossen“
- Langzeitdaten (mehrjährige Rückfall- und Überlebensdaten) sind noch begrenzt.
- Immun-Effekte beim Menschen: hypothesenstark, aber klinisch noch nicht als „System-Clean-up“ bewiesen.
- Ausweitung auf andere Organe (Niere, Pankreas etc.) läuft über Studienprogramme – nicht „überall verfügbar“.
🔴 Rot – Das ist Hype / gefährliche Verkürzung
- „99% Erfolg bei terminalen Fällen“: So eine Zahl passt nicht zu den publizierten klinischen Datenlagen und wirkt wie virales Marketing ohne belastbare Quelle.
- „Tumoren in 4 Stunden zerstört“: Behandlungszeiten variieren; außerdem ist „Zerstörung“ ≠ „Heilung“.
- „Krebs kommt nie zurück“: Dafür gibt es keinen seriösen Beleg. Selbst bei sehr guten lokalen Verfahren bleibt Krebs oft eine Systemfrage (Mikrometastasen, Tumorbiologie, Immunsuppression, Stoffwechselmilieu).
Wer könnte davon profitieren? (Pragmatisch gedacht)
Histotripsy wird aktuell vor allem diskutiert für Menschen,
- bei denen Operation schwierig ist,
- die eine lokale Tumorlast in der Leber haben,
- oder bei denen andere lokale Verfahren nicht ideal sind.
Ob das im Einzelfall Sinn ergibt, hängt ab von:
- Tumorlage (Gefäße, Gallengänge, Nähe zu kritischen Strukturen),
- Anzahl/Größe der Läsionen,
- Gesamtstrategie (lokal vs. systemisch),
- Ziel: kurativ, kontrollierend, palliativ.
Die wichtigsten Fragen, die ich einem Zentrum stellen würde
Wenn du (oder ein Betroffener) Histotripsy ernsthaft prüfen willst:
- Für welche Indikation ist das bei euch konkret etabliert (Leber primär? Metastasen? Welche Tumorarten)?
- Wie messt ihr Erfolg: mRECIST? Ablationskriterien? Wann kontrolliert ihr nach (30/90 Tage, 6/12 Monate)?
- Welche Komplikationen habt ihr real gesehen – und wie häufig?
- Welche Kombinationen sind üblich (z. B. als „Bridge“ zur OP/Transplant, als Ergänzung zu bestehenden Therapiestrategien)?
- Welche Studien laufen aktuell (damit man nicht „Marketing“, sondern Medizin bekommt)?
Mein Fazit (klar, aber ohne Angst)
Eine aus meiner Sicht logische Folge. Es geht um Frequenzen und Heilung. Das gab es schon immer und es ist etwas Wirksames. Für mich: Ich setze es ein um meine Energie, zum Beispiel mit Musik, zu verbessern. Je höher Du selber schwingst, umso widerstandsfähiger bist Du. Und das hilft dem Immunsystem.
Histotripsy ist kein „Wunderheilmittel“.
Es ist eher wie ein neuer, sehr präziser Meißel im Werkzeugkasten der Onkologie: besonders interessant für lokale Tumorherde, aktuell vor allem in der Leber, mit echtem Potenzial – aber ohne das Versprechen, dass damit „alles erledigt“ ist.
Wenn man es richtig einordnet, kann es für manche Menschen eine Tür sein, die vorher zu war. Wenn man es falsch einordnet, wird es zur Enttäuschung – oder schlimmer: zur Ablenkung von Entscheidungen, die jetzt wichtig wären.
Hinweis (fair & wichtig)
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn du das Thema für dich prüfst: bitte immer mit einem onkologischen Team und einem erfahrenen Zentrum besprechen.
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