Ist Krebs eine Krankheit?

Ist Krebs eine Krankheit?

Diese Frage hat mich in den letzten Wochen wieder ganz nah erwischt – weil mein Schwager betroffen ist.

Und sobald Krebs im eigenen Feld auftaucht, verändert sich der Blick:
Plötzlich ist „Krebs“ nicht nur ein Wort aus Arztbriefen. Es ist ein Sturm im System. Ein Einschnitt. Eine Zäsur.

Medizinisch betrachtet ist Krebs eindeutig eine Krankheit: Zellen entkoppeln sich von Wachstumskontrolle, umgehen Reparaturprogramme, teilen sich weiter, obwohl sie es nicht sollten. Punkt.

Und trotzdem… fühlt sich das Bild „vernichtender Organismus“ für viele Menschen nicht vollständig an.

Denn wenn man tiefer schaut, entdeckt man oft etwas, das eher wie ein Warnsignal wirkt als wie ein „Feind von außen“:
Krebszellen entstehen häufig in einem Milieu, das bereits lange unter Druck steht – wie ein Flussarm, in dem das Wasser kaum noch fließt.

Warnschild mit Ausrufezeichen und unscharfem Stadtbild im Hintergrund bei Nacht
  • Sauerstoffarm (Hypoxie)
  • entzündlich gereizt
  • übersäuert / metabolisch gestresst
  • nährstoffarm oder fehlgeleitet versorgt
  • mit gestörter Zellkommunikation

In so einer Umgebung verlieren gesunde Zellen Schritt für Schritt ihre Fähigkeit, sauber zu arbeiten: Energieproduktion, Reparatur, Entgiftung, Immunüberwachung – all das wird zäher, langsamer, brüchiger.
Und dann passiert etwas, das man nicht romantisieren sollte – aber verstehen darf:

Krebszellen sind oft meisterhafte Anpassungskünstler.
Wie Algen, die genau dort wachsen, wo das Gewässer kippt. Nicht weil das Gewässer „Algen will“, sondern weil das System Bedingungen geschaffen hat, in denen bestimmte Formen von Leben plötzlich Vorteile haben.

Wichtig: Ich glaube nicht, dass „der Körper Krebs wählt“.
Aber ich sehe immer wieder, dass Krebs häufig auf einem Boden wächst, der lange vorher aus dem Gleichgewicht geraten ist.


Und was ist mit Chemo, Bestrahlung, Operation?

Ich bin kritisch, ja. Vor allem, wenn aus einem komplexen Menschen nur noch „Tumorgröße“ wird.

Aber ich bin genauso klar:
Konventionelle Onkologie kann Leben retten – besonders, wenn es schnell gehen muss, wenn Tumoren drücken, streuen, blockieren, bluten. Operation, Chemo, Bestrahlung und auch Immuntherapien sind Werkzeuge. Mächtige Werkzeuge.

Das Problem ist nicht das Werkzeug.
Das Problem ist der Ansatz, wenn man nur das Werkzeug sieht – und den Rest des Systems ignoriert.

Denn ja: Viele Therapien belasten das Immunsystem (manchmal stark).
Und ja: Selbst wenn ein Tumor entfernt oder zurückgedrängt wird, bleibt die entscheidende Frage:

Warum ist das System überhaupt in diese Schieflage geraten?

Wenn die Ursachenlandschaft gleich bleibt – Stoffwechsel, Entzündung, Stressachsen, Schlaf, Darm, toxische Last, seelische Daueranspannung, Sinnverlust, Konflikte, Überforderung – dann kann „Erfolg“ im CT sich innerlich trotzdem wie Verlust anfühlen.


Meine Haltung heute

Heute sage ich:

Krebs ist eine Krankheit und ein Hinweis.
Und gleichzeitig ist er für viele ein Weckruf, der zeigt, dass Körper, Geist und Seele zu lange gegen sich selbst gelebt haben.

Es geht nicht um Schuld. Es geht um Richtung.

Und genau hier entsteht die echte Chance:
Nicht nur „weg damit“, sondern System neu aufstellen.

Integrativ.
Konventionell dort, wo es nötig ist.
Komplementär dort, wo es stärkt.
Und immer menschlich – körperlich, emotional, mental, spirituell.


Wenn du betroffen bist (oder jemand in deiner Familie): Stell dir diese Fragen

Nicht wie ein Verhör.
Eher wie eine Taschenlampe im Nebel.

  • Lebe ich in einem Umfeld, das mich nährt – oder auslaugt?
  • Mache ich Arbeit, die mich aufrichtet – oder innerlich zerreibt?
  • Schlafe ich wirklich regenerativ?
  • Wie sieht mein Stress aus – laut oder still?
  • Kann ich Gefühle ausdrücken – oder schlucke ich sie runter?
  • Habe ich echte Freude im Alltag? So eine kindliche, leichte?
  • Wie ist mein Darm, meine Verdauung, mein Rhythmus?
  • Wie ernähre ich mein System: stabil oder ständig am Limit?
  • Gibt es ungelöste Konflikte, alte Trauer, dauerhafte Anspannung?
  • Wofür stehe ich morgens auf – was ist mein Sinn?

Das sind keine „esoterischen Fragen“.
Das sind Systemfragen.


Wichtig (wirklich wichtig)

Das hier ist keine Anleitung zur Heilung und kein Aufruf, Behandlungen abzubrechen oder zu vermeiden.
Wenn Krebs im Spiel ist, gehören Diagnostik und Therapieentscheidungen in ärztliche Hände – und idealerweise in ein Team, das nicht nur den Tumor, sondern den Menschen sieht.

Was ich dir geben will, ist ein anderer Blickwinkel:
Dass du neben allem Medizinischen auch wieder beginnst, dich selbst ernst zu nehmen.
Dein Milieu. Deine Energie. Deine Wahrheit.


Wenn du tiefer einsteigen willst, empfehle ich zwei provokante Bücher als Perspektivöffner (nicht als Dogma):

  • „Krebs ist keine Krankheit“ (Andreas Moritz)
  • „Chemotherapie heilt Krebs und die Erde ist eine Scheibe“ (Lothar Hirneise)

Lies sie kritisch. Prüfe. Spüre nach. Und kombiniere das Beste aus beiden Welten: Klarheit der Medizin + Stärke des Systems.

Ich wünsche dir – und deinem Menschen – Kraft, Orientierung und einen Weg, der nicht nur „Behandlung“ ist, sondern Rückkehr zu Leben.

Heiko Gärtner
Mentor für Krebspatienten
  • Presse: Über 450 Presseveröffentlichungen in Magazinen & Onlineportalen
  • Awards: Best Mentorship Program 2025 (Germany); Best Cancer App 2026 (Germany)
  • Website: https://heiko-gaertner.com

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