Stell dir deinen Körper wie ein Tal vor, durch das ein Fluss fließt.
Solange das Wasser klar ist, die Ufer stabil, die Strömung ruhig, funktionieren alle kleinen Ökosysteme am Rand – Zellen, Gewebe, Organe – wie ein eingespieltes Orchester.
Und dann verändert sich langsam die Landschaft.
Nicht mit einem Knall.
Sondern mit tausend kleinen Rissen:
- chronische Entzündung wie ein Dauerbrand im Unterholz
- Blutzucker-Achterbahn wie plötzliche Sturzfluten und Trockenperioden
- gestörte Redox-Signale wie ein Kompass, der flackert
- hormonelles Chaos wie wechselnde Gezeiten, die niemand mehr steuert
- niedrige Sauerstoffspannung in Geweben wie Nebel in einer Schlucht
- Dauerstress wie permanenter Sturm, der nie abzieht
In so einem Terrain tun Zellen das, was Biologie immer tut: Sie passen sich an.
Und genau hier beginnt eine Perspektive, die unbequem ist – aber mächtig:
Krebszellen sind keine Aliens.
Sie sind deine Zellen.
Zellen, die auf ein Umfeld reagieren, das aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Anpassung ist nicht das Problem – Entgleisung ist es
Viele Veränderungen, die wir bei Tumorzellen sehen, wirken wie ein Überlebensmodus:
- Sie schalten stärker auf Glykolyse (schnelle Energiegewinnung, auch unter ungünstigen Bedingungen).
- Sie tolerieren mehr oxidativen Stress.
- Sie „überhören“ Signale für Apoptose (den geordneten Zelltod).
- Sie ziehen sich aus normaler Kooperation zurück – wie ein Teammitglied, das nicht mehr erreichbar ist.
Das Tragische ist nicht, dass Zellen adaptieren.
Das Tragische ist, wenn diese Anpassung dysreguliert wird – wenn Wachstum nicht mehr gebremst, Reparatur nicht mehr sauber beendet und Kontrolle nicht mehr hergestellt wird.

Der Feind ist nicht „die Zelle“ – sondern oft der Nebel, in dem sie lebt
Die klassische Medizin ist stark, wenn es darum geht, Tumorlast zu reduzieren: OP, Chemo, Bestrahlung, zielgerichtete Therapien, Immuntherapien – das sind Werkzeuge, die Leben retten können.
Aber: Diese Werkzeuge schauen oft zuerst auf die Zelle.
Die Terrain-Perspektive stellt eine zweite, ergänzende Frage – nicht als Ersatz, sondern als Fundament darunter:
Was hat das Milieu erzeugt, in dem „Überleben um jeden Preis“ zur einzigen Option wurde?
Denn selbst wenn man einen Brand löscht, bleibt die Frage:
Warum war der Wald so trocken, dass ein Funke reichte?
Terrain heißt: Die Spielregeln verändern, nicht nur Figuren entfernen
Wenn du Terrain hörst, denk nicht an Esoterik. Denk an Biologie in Kontext:
- Metabolismus: Glukose, Insulin, IGF-1, Fettstoffwechsel, Ketonkörper (je nach Situation)
- Entzündung: stille Entzündung, Darmbarriere, Fettgewebe als Entzündungsorgan
- Immunsignale: T-Zell-Funktion, Erschöpfung, Mikronährstoffabhängigkeiten
- Mitochondrien-Kommunikation: Energie, ROS, Reparatur- und Stressachsen
- Hormone: Cortisolrhythmus, Schilddrüse, Sexualhormone, Melatonin/Circadian
- Stresslast: Nervensystemzustand (Alarm vs. Regeneration), Schlaf, Sicherheit im System
Terrain ist das, was entscheidet, ob der Körper im Modus ist:
„Reparieren und ordnen“ – oder „überleben und improvisieren“.
Warum „nur töten“ oft nicht die ganze Geschichte ist
Man kann Krebszellen bekämpfen – und sollte es oft auch.
Doch wenn das Terrain unverändert bleibt, bleibt manchmal auch der Druck im System bestehen:
- Insulinspitzen bleiben hoch → Wachstumssignale bleiben aktiv
- Entzündung bleibt chronisch → Gewebe bleibt „reizbar“
- Schlaf bleibt fragmentiert → Reparaturfenster bleiben klein
- Stress bleibt Dauerzustand → Immunsystem bleibt in Fehlsteuerung
- Mikronährstofflücken bleiben → Regenerationsenzyme arbeiten im Leerlauf
Das ist keine Schuldfrage.
Das ist eine Steuerungsfrage.

Die Brücke: Schulmedizin UND Terrain – Hand in Hand, nicht gegeneinander
Mein Ansatz ist kein „Entweder-oder“. Es ist ein Sowohl-als-auch:
- Schulmedizin: Tumor kontrollieren, Zeit gewinnen, akute Gefahr reduzieren
- Terrain-Arbeit: das Umfeld verändern, in dem Zellen Signale interpretieren
Das Ziel ist nicht romantisch. Es ist pragmatisch:
Den Körper aus dem Alarmmodus zurück Richtung Ordnung führen.
Praktische Terrain-Hebel (einfach, aber nicht banal)
Kein Dogma – nur Hebel, die in vielen Fällen Sinn ergeben und individuell angepasst werden müssen:
- Blutzucker glätten
Nicht „Zucker ist böse“, sondern: Spitzen reduzieren.
Mehr Eiweiß/gesunde Fette zu Mahlzeiten, weniger ultraverarbeitet, klare Essfenster. - Entzündung leiser drehen
Darmbarriere, Omega-3-Status, Gewürze/Polyphenole, Stressreduktion, Schlafqualität. - Zirkadiane Reparatur aktivieren
Licht am Morgen, Dunkelheit am Abend, regelmäßige Schlafzeit – der Körper liebt Rhythmus. - Nervensystem von Alarm auf Regeneration schalten
Atem, Natur, langsame Bewegung, soziale Sicherheit, Trauma-sensibles Vorgehen. - Muskel als Stoffwechsel-Organ aufbauen/halten
Kachexie/Schwäche ist real. Sanftes Krafttraining (wenn möglich), Proteinzufuhr, Physio. - Mikronährstoffe gezielt – nicht blind
Nicht „alles einwerfen“, sondern: messen, Lücken schließen, Interaktionen prüfen (wichtig bei Therapien!).
Drei Fragen, die ich jedem Betroffenen mitgebe
Wenn du nur eine Sache aus diesem Text mitnimmst, dann diese drei Fragen – wie ein Kompass:
- Was triggert in meinem System dauerhaft Alarm?
(Stress, Schlaf, Entzündung, Ernährung, Beziehungen, Angst) - Wo fehlt Energie und Ordnung – und warum?
(Mitochondrien, Mikronährstoffe, Darm, Hormonrhythmus, Bewegung) - Welche zwei Hebel kann ich diese Woche so einfach setzen, dass mein Körper sie annimmt?
Nicht perfekt. Nur konsequent.
Ein wichtiger Satz zum Schluss
Krebs ist nicht „dein Freund“.
Aber er ist oft auch nicht einfach „ein Monster aus dem Nichts“.
Er kann eine entgleiste Überlebensstrategie in einem Terrain sein, das zu lange unter Druck stand.
Und genau deshalb lohnt sich diese andere Blickrichtung so sehr:
Nicht nur: Wie bekämpfen wir Krebszellen?
Sondern auch: Wie verändern wir das Milieu, damit Überleben nicht mehr zur Eskalation werden muss?
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