Stell dir deinen Körper wie eine Landschaft am Wasserfall vor:
Oben rauscht die Therapie wie ein Flussbett aus Fakten (OP, Chemo, Bestrahlung, Immuntherapie). Daneben liegen Pfade, auf denen viele suchen: Ernährung, Mikronährstoffe, Bewegung – und Pilze.
Pilze wirken wie das Myzel im Waldboden: unsichtbar, vernetzend, steuernd. Genau deshalb werden sie in der Krebswelt so stark gehypt. Die kritische Frage lautet aber:
Sind Pilze ein tragfähiger Trittstein – oder nur ein schön bemalter Stein, der unter dem Gewicht bricht?
Dieser Beitrag sortiert die Lage so, dass du ihn 1:1 bloggen kannst: Evidenz, Mechanismen, Ampel, Praxis in aktiver Therapie vs. nach Therapie/Remission – und die Risiken, ohne in Angst oder Marketing zu kippen.
Wichtig: Pilze sind keine Krebstherapie. Die besten Daten sprechen – wenn überhaupt – für eine adjuvante Rolle (begleitend zur Standardtherapie), nicht als Ersatz.

Remission ≠ austherapiert (zwei verschiedene Ufer)
Viele werfen das in einen Topf – verständlich, weil beides sich nach „Was jetzt?“ anfühlt. Medizinisch sind es aber zwei sehr unterschiedliche Ufer:
- Remission: Der Tumor ist nicht (mehr) nachweisbar oder deutlich zurückgedrängt – Fokus: Stabilität, Rückfallrisiko senken, Lebensqualität, Regeneration.
- Austherapiert: Die Standardoptionen sind ausgeschöpft – Fokus: Lebenszeit und Lebensqualität, Symptomlast, sinnvolle Ergänzungen ohne zusätzliche Schäden.
Das ist wichtig, weil Pilze je nach Situation anders bewertet werden: In Remission ist „geringes Risiko, langfristige Begleitung“ oft zentral. In aktiver/fortgeschrittener Situation ist die wichtigste Leitplanke: Nichts darf die Standardtherapie sabotieren (Interaktionen, Leber/Niere, Blutbild, Entzündungsdynamik).
Was Pilze realistisch tun können (Mechanik ohne Magie)
Pilzextrakte (v. a. β-Glucan-reiche Polysaccharide) sind selten „Tumor-Killer“. Sie wirken eher wie ein Regler am Staudamm:
- Sie können Immunzellen modulieren (z. B. NK-Aktivität, T-Zell-Profile, Antigen-Präsentation).
- Sie können in manchen Settings Verträglichkeit/Immunparameter unter Therapie beeinflussen.
- Und in wenigen, spezifischen Kontexten gibt es Hinweise auf Überlebensvorteile – aber eben nicht pauschal.
Eine gute Übersicht zu biologischen Mechanismen und klinischer Einordnung von PSK (protein-gebundenes Polysaccharid aus Trametes) zeigt genau dieses Bild: Immunmodulation als Kern, nicht „Chemotherapie im Pilzformat“.

Die Evidenz-Ampel: Welche Pilze haben die stärkste Spur?
🟢 Grün: Trametes versicolor (Turkey Tail / Schmetterlingstramete) – PSK/PSP
Wenn du nur einen Pilz im Blog seriös mit „Überleben“ verknüpfen willst, dann hier – und mit klarer Einschränkung:
Was ist belastbar?
- Eine Meta-Analyse zu adjuvanter Immunochemotherapie mit PSK nach kurativer Magenkrebs-Resektion fand einen Überlebensvorteil (Hazard Ratio 0,88; 95% CI 0,79–0,98).
- Eine Netzwerk-Meta-Analyse/Review-Lage unterstützt: PSK wirkt in GI-Kontexten als Zusatz effektiv und sicher, besonders kombiniert mit Chemo.
Was ist nicht sauber übertragbar?
- Das ist kein Freifahrtschein für „alle Krebsarten“. Die stärkste Spur liegt im gastrointestinalen Bereich und in adjuvanten Settings.
Was sagt die Human-Sicherheit?
- Eine Phase-I Studie bei Frauen nach Brustkrebs-Primärtherapie zeigte: bis 9 g/Tag einer Trametes-Zubereitung war in diesem Setting verträglich, mit Immuntrend-Signalen.
Kritischer Punkt (den du fett im Blog markieren kannst):
Die Evidenz bezieht sich oft auf standardisierte Extrakte/Präparate – nicht automatisch auf beliebiges Pulver aus dem Internet.
🟡 Gelb: Shiitake – genauer Lentinan (häufig injizierbar, adjuvant)
Hier muss man sauber trennen: „Shiitake essen“ ist nicht gleich „Lentinan als klinischer Adjunkt“.
- Eine aktuelle Meta-Analyse (Magenkrebs) fand: Lentinan + Chemo war wirksamer als Chemo allein, ohne Hinweis auf schwere zusätzliche Nebenwirkungen – aber: weitere RCTs nötig.
Kritische Realität:
Viele Produkte im Handel sind nicht das, was in Studien verwendet wurde (Form, Extraktion, Standardisierung).
🟡 Gelb: Reishi (Ganoderma lucidum) – interessant, aber kein Überlebensanker
Reishi ist einer der bekanntesten „Heilpilze“, aber die nüchterne Lage ist:
- Cochrane-Review: Reishi könnte als Zusatz die Wahrscheinlichkeit eines Therapie-Ansprechens erhöhen, aber es gibt keinen klaren Beleg, dass Reishi allein Krebs behandelt. Die Evidenz ist insgesamt begrenzt/unsicher. (Hinweis: Mechanik/klinische Einordnung sind dort beschrieben; Cochrane ist die harte Bewertungsinstanz.)
Blog-taugliche Formulierung:
Reishi ist eher „Wetterunterstützung“ – kein „Rettungsboot“.
🔴 Rot (Sicherheitsflagge): Chaga (Inonotus obliquus)
Chaga wirkt „uralt und stark“ – doch hier ist das Risiko real, besonders bei hochdosierter, langfristiger Nutzung.
- Es gibt dokumentierte Hinweise/Fälle und experimentelle Bestätigung, dass oxalatreicher Chaga Nierenschäden begünstigen kann.
Für deinen Blog als klarer Satz:
Wenn der Körper ohnehin unter Therapie/Belastung steht, ist eine zusätzliche Nieren-Baustelle kein Preis, den man für “Antioxidantien-Mythen” zahlen sollte.
🔴 Rot (Sicherheitsflagge): Agaricus blazei Murill (ABM)
ABM hat in manchen Kreisen Kultstatus – doch die Warnhinweise sind ernst zu nehmen:
- Es gibt Fallberichte zu schwerer Hepatitis / DILI im Zusammenhang mit ABM-Extrakten (teils zusammen mit anderen Supplements).
Kernbotschaft:
Ein Pilz kann gleichzeitig „immunologisch spannend“ und „hepatologisch riskant“ sein. Und Leber ist in der Onkologie oft ohnehin ein Engpass.
Praxis: Wie du Pilze je nach Phase einordnest
A) Wenn du in aktiver Therapie bist
Das wichtigste Bild hier ist nicht der Wasserfall – sondern die Brücke:
Alles, was du nimmst, muss die Brücke stabiler machen, nicht wackliger.
Prioritäten in dieser Phase:
- Standardtherapie schützen (keine Selbstversuche, die Verträglichkeit/Wirksamkeit gefährden)
- Labor-Engpässe respektieren (Leber, Niere, Blutbild)
- Nur mit hoher Produktqualität (Analytik, Standardisierung)
Evidenz-orientierte Kandidaten (bei ärztlicher Begleitung):
- Trametes versicolor (PSK/PSP-Kontext, v. a. GI-Daten)
- Lentinan in den untersuchten Settings (klinisch/standardisiert, nicht beliebig austauschbar)
B) Remission / „nach Therapie“
Hier ist das Bild eher: Flussbett beruhigen, Ufer befestigen.
Das Ziel ist nicht „angreifen“, sondern Rückfallrisiko und Entzündungsdruck sinnvoll zu beeinflussen – ohne neue Risiken.
Was hier oft sinnvoller ist als Pilz-Jagd:
- Schlaf, Bewegung, metabolische Stabilität, Stressphysiologie
- saubere Ernährung, Darm- und Mikronährstoff-Basics
- und: eine klare, strukturierte Ursachenarbeit (dein Terrain)
Pilze können optional dazugehören – aber nur, wenn Qualität + Sinn + Sicherheit stimmen.

Die wichtigste Wahrheit: Der Pilz ist selten das Problem – das Produkt ist es
Wenn du eine „Mythen vs. Fakten“-Box im Blog willst, nimm diese:
Mythos: „Heilpilz = sicher & wirksam“
Fakt: Wirksamkeit hängt an Spezies + Extraktion + Standardisierung + Dosis + Patientenkontext.
Mythos: „Studie sagt Pilz hilft → mein Produkt hilft“
Fakt: Studien nutzen oft definierte Präparate, nicht beliebige Kapseln.
Mythos: „Mehr ist besser“
Fakt: Gerade bei immunologisch aktiven Substanzen kann „mehr“ auch „mehr Chaos“ bedeuten.
Kurzfazit als Waterfall-Journey-Takeaway
Wenn du Pilze in die Krebsbegleitung integrierst, dann mit dieser Hierarchie:
- Klarer Nutzen (Evidenz, nicht Hoffnung)
- Saubere Sicherheit (Leber/Niere/Verträglichkeit im Blick)
- Produktqualität (Analytik, Transparenz, Standardisierung)
- Phase beachten (aktive Therapie vs. Remission vs. austherapiert)
Die stärkste klinische Spur in Richtung Überleben liegt bei PSK aus Trametes versicolor in spezifischen adjuvanten Settings (v. a. Magen/GI).
Lentinan zeigt in Magenkrebs-Meta-Analysen Vorteile als Zusatz zur Chemo – aber ebenfalls phasen- und settingabhängig.
Chaga und ABM verdienen primär ein Sicherheitswarnschild.
- Presse: Über 450 Presseveröffentlichungen in Magazinen & Onlineportalen
- Awards: Best Mentorship Program 2025 (Germany); Best Cancer App 2026 (Germany)
- Website: https://heiko-gaertner.com


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