Manchmal kommt eine Behauptung daher wie ein Wasserfall im Nebel:
laut, kraftvoll, beeindruckend – und doch siehst du nicht, woher das Wasser wirklich kommt.
Genau so wirken Aussagen über Dr. Leonard Coldwell, der sinngemäß sagt:
- Er habe 66.000 Patienten gesehen, davon 35.000 mit Krebs.
- Er habe die höchste bekannte Heilungsrate von über 92,3%.
- Diese Zahl sei „basiert auf klinischer und wissenschaftlicher Forschung“ eines „Schmargendorf Health Institute, Berlin“ unter wissenschaftlicher Leitung von „Dr. med. Thomas Höhn“.
- Und: „Der Tumor arbeitet daran, dich am Leben zu halten.“
Tumore seien demnach eine Art „Schutzblase“ gegen innere Vergiftung – und Biopsien seien gefährlich, weil sie „Toxine freisetzen“ und Krebs dadurch plötzlich aggressiv werde.
Wenn du das liest und dir der Boden kurz wegzieht: Du bist nicht allein.
Das triggert zwei Urängste auf einmal – „Hoffnung“ und „Misstrauen“.
Ich möchte das heute mit dir sortieren. Nicht als Richter. Sondern als Wegbegleiter, der die Steine im Fluss sichtbar macht, bevor du hineintrittst.
Die 92,3%-Heilungsrate: Wo Wissenschaft anfängt – und Marketing endet
In der Medizin ist „Heilung“ kein schönes Wort, sondern ein definierter Zustand.
Und eine „Heilungsrate“ ist keine Zahl, die man einfach in den Raum stellt wie ein Leuchtturm – sie braucht Koordinaten:
- Welche Krebsarten genau? (Brust, Darm, Lunge, Blutkrebs – das sind biologisch völlig verschiedene Welten.)
- Welche Stadien? (Frühstadium vs. metastasiert ist nicht derselbe Ozean.)
- Welche Therapien parallel? (Operation, Chemo, Immuntherapie, Bestrahlung, Off-label, Mistel, Ernährung, etc.)
- Welche Nachbeobachtung? (2 Jahre, 5 Jahre, 10 Jahre? In der Onkologie sind diese Zeiträume entscheidend.)
- Unabhängige Prüfung? (Publikationen, Registerdaten, auditierte Auswertung – nicht nur Eigenangaben.)
Wenn jemand für „Krebs insgesamt“ >92% Heilung behauptet, ist das ein extremes Warnsignal – nicht weil Heilung unmöglich wäre, sondern weil Krebs keine einzelne Krankheit ist. Es ist ein ganzer Kontinent.
Merksatz: Je größer die Zahl, desto größer muss die Beweislast sein.

„Der Tumor hält dich am Leben“ – als Metapher fühlbar, biologisch aber gefährlich vereinfacht
Ich verstehe, warum diese Aussage emotional zündet:
Sie macht aus dem Feind einen „Schutzengel“. Und das beruhigt.
Es gibt auch ein Körnchen Wahrheit in einem anderen Bild:
Der Körper versucht oft, Schaden zu begrenzen – z. B. durch Entzündung, Vernarbung, Abkapselung.
Aber daraus folgt nicht, dass der Körper absichtlich eine „Gift-Deponie“ baut.
Tumore sind in der Regel kein Müllsack, den der Körper klug zuschnürt.
Sie sind eher wie ein wucherndes Gestrüpp, das eigene Regeln schreibt:
Zellen teilen sich unkontrolliert, umgehen Signale, locken Blutgefäße an, verdrängen gesundes Gewebe – und können metastasieren.
Der wichtige Unterschied ist:
- Ja: Lebensstil, Entzündung, Umweltfaktoren, Ernährung, Stress und Traumata können Risiken beeinflussen und Heilungswege unterstützen.
- Nein: Das beweist nicht, dass „Tumor = Schutzblase“ oder dass „Biopsien Toxine freisetzen“.
Und doch hilft der gesunde Menschenverstand. Wenn etwas verkapselt, sollte es entfernt werden. Das gilt ja auch für die kleisnet Form. Pickel, Zysten etc. sollten sanft entfernt werden. Ein Tumor kann also Schutz bieten, wenn es denn gesehen wird.

Die Biopsie-Angst: Kann eine Biopsie Krebs „aggressiv machen“?
Hier ist die Stelle, an der viele Menschen nachts wach liegen.
Was stimmt:
- Es gibt ein Phänomen namens „Needle tract seeding“: Sehr selten können Tumorzellen entlang des Stichkanals verschleppt werden – je nach Tumorart, Technik und Situation.
Was meistens nicht stimmt:
- Die Idee, dass eine Biopsie „Toxine freisetzt“ und deshalb „plötzlich aggressiven Krebs“ erzeugt, ist biologisch nicht sauber belegt.
Was viel häufiger passiert:
- Der Tumor war bereits aggressiv – aber erst nach der Biopsie gibt es eine klare Diagnose und mehr Bildgebung, wodurch das Fortschreiten sichtbar wird.
- Oder es ist eine zeitliche Koinzidenz: Zwei Ereignisse liegen nah beieinander, aber das eine verursacht nicht automatisch das andere.
Merksatz: Zeitgleich ist nicht gleich Ursache.
Ein großes rotes Tuch: „Wunderheilung“-Umfelder und gefährliche Mittel
Ein weiteres Warnsignal bei einigen „Heilversprechen“-Bewegungen ist, dass dort teils Substanzen auftauchen, vor denen Behörden warnen (z. B. MMS/Chlordioxid).
Das ist kein „alternativer Lifestyle“ – das kann gefährlich werden.
Wenn jemand Heilung verspricht, und gleichzeitig riskante Mittel verharmlost, ist das wie ein Boot mit goldener Lackierung – aber einem Loch im Rumpf.
Die reife Perspektive: Krebs ist ein Warnsignal – aber Diagnostik ist nicht dein Feind
Ich mag den Kern, den viele ganzheitliche Ansätze berühren:
Krebs ist oft nicht „aus dem Nichts“ da.
Er entsteht häufig in einem Milieu aus Entzündung, Dysbalance, Belastung, Stress und ggf. Gift-/Umweltfaktoren.
Ja. Das ist eine wichtige Blickrichtung.
Aber: Die richtige Konsequenz ist nicht „keine Diagnostik“.
Die richtige Konsequenz ist:
- Diagnostik klar, präzise, individuell
- Therapieentscheidungen ohne Angst-Nebel
- Und parallel: Ursachenarbeit (Stoffwechsel, Entzündung, Belastungen, Psyche, Lebensstil, Umfeld)
Das ist kein Entweder-oder. Es ist ein Sowohl-als-auch – wie zwei Hände, die dich am Fels halten.
Konkrete Fragen, die du deinem Arzt/Onkologen stellen kannst (statt im Internet zu ertrinken)
Wenn eine Biopsie im Raum steht, helfen diese Fragen – wie Trittsteine im Fluss:
- Warum brauchen wir die Biopsie – welche Entscheidung hängt daran?
- Welche Biopsie-Art ist geplant (Feinnadel, Stanzbiopsie, endoskopisch, chirurgisch)?
- Welche Risiken sind tumortypisch bekannt (inkl. sehr seltenes Seeding)?
- Gibt es Alternativen (z. B. Bildgebung, operative Entfernung, Liquid biopsy – je nach Fall)?
- Wie wird der Stichkanal technisch sicher gemacht (Erfahrung, Führung, Anzahl der Proben)?
- Was passiert, wenn wir nicht biopsieren – welches Risiko entsteht dadurch?
- Wie schnell bekommen wir Ergebnisse, und wie verhindern wir Therapie-Verzögerung?
Merksatz: Nicht die Biopsie ist dein Gegner – Unklarheit ist es.
Ich persönlich bin kein Fan der Biospie. Ich würde sie wenn es ght vermeiden. Besser: Entfernen des Tumors und im Nachhinein die Biopsie und Untersuchung des Gewebes.
Für aktive Therapie, Remission und „austherapiert“: Drei Blickwinkel
Wenn du in aktiver Therapie bist:
Du brauchst Präzision. Du willst nicht raten – du willst wissen.
Diagnostik ist hier oft ein Kompass, kein Angriff.
Wenn du in Remission bist:
Dein Fokus ist Stabilität: Schlaf, Entzündung runter, Immunsystem stärken, Routinen, Stressregulation.
Hier kann Ursachenarbeit besonders fruchtbar sein.
Wenn du „austherapiert“ bist:
Dann ist Hoffnung nicht naiv – sie ist Überlebensenergie.
Aber sie braucht eine Struktur, damit sie nicht zur Ausbeutung wird.
Gerade hier sind „92%-Versprechen“ gefährlich, weil sie sich an die verletzlichste Stelle heften.
Unsere Waterfall-Journey-Perspektive: Ursachenforschung statt Wunderglauben
In der Waterfall Journey schauen wir nicht nur auf den „Stein im Fluss“, sondern auf das Einzugsgebiet:
- Was belastet dich biologisch (Entzündung, Stoffwechsel, Mikronährstoffe, Schlaf, Darm, Immunbalance)?
- Was belastet dich emotional (Trauma, Dauerstress, ungelöste Konflikte, Überforderung)?
- Was belastet dich im Umfeld (Toxine, Lebensstil, Essen, Arbeit, Beziehungen)?
Und genau deshalb setzen wir auf KI-gestützte Ursachenforschung: nicht als Orakel – sondern als Strukturgeber, damit du die richtigen Fragen stellst, Prioritäten setzt und nicht im Informationsrauschen untergehst.
Wenn du nur einen Satz mitnimmst
„Große Heilungsversprechen sind wie laute Wasserfälle: beeindruckend – aber erst die Quelle entscheidet, ob es wirklich klares Wasser ist.“
- Presse: Über 450 Presseveröffentlichungen in Magazinen & Onlineportalen
- Awards: Best Mentorship Program 2025 (Germany); Best Cancer App 2026 (Germany)
- Website: https://heiko-gaertner.com


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